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Selbstmanagement

Warum „Arbeitssuchend“ auch ein Job ist

In unserer Gesellschaft findet die Identifikation noch sehr häufig über den Beruf statt: „Ich arbeite, also bin ich“. Zum Beispiel: Ich bin bei Unternehmen XYZ als Manager für XYZ eingestellt, also bin ich wertvoll“. In meiner Tätigkeit als XYZ beschäftige ich mich mit herausfordernder Arbeit, die Kunden brauchen mich, also bin ich wichtig. Wer dann gewollt oder ungewollt seinen Beruf verliert, findet sich häufig in einer Sinnkrise wieder. Es fehlt eine sinnvolle Beschäftigung, bei der man sich selbst zum Ausdruck bringen kann und dafür Anerkennung erhält. Als Konsequenz wertet man sich selbst ab, eine Bestätigung von außen fehlt. Hinzu kommt, dass auch das Umfeld manchmal Personen abwertet, wenn sie keiner regelmäßigen Arbeit mehr nachkommen.

Arbeitssuche zieht sich hin

Der Arbeitsmarkt wird sich in Zukunft noch flexibler und schnelllebiger gestalten. Deshalb wird es auch immer „normaler“ werden, eine gewisse Zeit arbeitssuchend zu sein. Hinzu kommt, dass immer häufiger psychische Erkrankungen wie Burn-Out oder Depression der Ausschlaggber für eine Arbeitslosigkeit sind. Dies muss erst umfassend behandelt werden, bevor ein Eintritt in den Arbeitsmarkt wieder möglich ist. Heutzutage nehmen sich auch viele Menschen eine vediente Auszeit zwischen zwei Jobs.
Doch wenn es dann wieder ans Bewerben geht, dauert es manchmal länger, als erhofft, bis einer neuer Job in Sicht ist. Woran liegt das?

Sei es als arbeitslose Person, oder mit dem Status „arbeitssuchend“ (noch im Job/Ende des Studiums und auf Arbeitssuche), es gibt keine feste Struktur, die einen Rahmen vorgibt: kein Arbeitgeber, der Ziele definiert. Keine fest eingeplanten Akquise Gespräche, keine Todos, die bis zu einer bestimmten Frist erledigt werden müssen. Kein Kollege, der zu Rate gezogen werden kann, kein Vorgesetzter, der über Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit oder unzureichende Ergebnisse schimpfen kann. Die Verbindlichkeit besteht gegenüber keiner anderen Person, außer sich selbst. Sich selbst kann man leichter erzählen, dass die Party heute Abend wichtiger ist, als weitere potenzielle Arbeitgeber zu recherchieren.

Die Arbeitssuche als neuer Job

Wer sich mit dem Jobtitel „arbeitssuchend“ identifiziert, sieht es als seinen Job, einen passenden neuen Beruf zu ergreifen. Bricht man die Tätigkeiten eines Unternehmens herunter, so kann man als Arbeitssuchender ähnliche Überlegungen anstellen: Um zu überleben, muss ein Unternehmen genug zahlende Kunden gewinnen. Übertragen auf den Jobtitel „Arbeitssuchend“ sind das Zusagen für neue Stellen. Denn diese bezahlen den Lebensunterhalt einer Einzelperson.
Und um einen einzigen Kunden zu gewinnen, betreibt ein Unternehmen sehr viel Marketing und Vetrieb. Nicht jeder potenzielle Kunde, der angesprochen wird, kauft ein Produkt. Der Zeitaufwand kann enorm sein und sich über diverse Abteilungen und Kontaktpunkte strecken. Übertragen auf die Person eines Arbeitssuchenden heißt das: Wie viele Bewerbungen muss ich schreiben, um ein Vorstellungsgespräch und am Ende des Tages eine Zusage zu erhalten? Was sind die Tätigkeiten, die mich dabei unterstützen, Einladungen zu Vorstellungsgesprächen zu erhalten? Solche Tätigkeiten können dann in den Kalender eingetragen werden, um somit die fehlende Struktur herzustellen.

Zusammengefasst heißt das: In der Zukunft werden immer mehr Menschen mit einer Zeit als „Arbeitssuchender“ konfrontiert werden. Um dem Indetifikationsverlust entgegenzuwirken, hilft es, die Arbeitssuche als seinen Job anzusehen und voller Commitment für seinen Beruf zu beschreiten.